Libanon

Freitag 16 Uhr ging bei mir das Telefon. Die Stadt hatte einen Mann aus dem Libanon und bat um meine Hilfe.
Das Problem war sein deutscher Ausweis. Er war vor vielen Jahren schon einmal in Deutschland und hatte durch die damalige Heirat die Staatsangehörigkeit gewechselt. Als deutscher Staatsbürger ist nach Dienstschluß kein Beamter für ihn verantwortlich. Also gilt er als Obdachlos.
Zuerst versuchte ich ihn bis Montag morgen irgendwo unterzubringen. Was sich an diesem Wochenende als schwierig erwies denn es war Sommer und durch die vielen Veranstaltungen alles belegt. Für Freitag bis Sonntag erbarmte sich eine Familie deren Ferienwohnung zwei Nächte zur Verfügung standen. Sonntagmorgen ging die Sucherei weiter. Mittags hatte ich Glück. Ein kleines Hotel in der Gegend hatte noch ein Zimmer im Altbau frei. Er konnte so lange darin bleiben bis es gebucht wird.
Montag morgen erst einmal die Ämter abklappern. Wir sind von einer Türe zur nächsten gelaufen. Aber keiner fühlte sich verantwortlich da er ja Deutscher ist. Ich versuchte immer wieder zu erklären das seine Frau mit libanesischem Pass noch mit den Kindern im Libanon sind. Da er mit seiner Familie an der Grenze von Syrien wohnte musste er als "Deutscher" fliehen. Der Krieg aus Syrien kam immer näher. Die Kinder sind auch schwer dramatisiert, da sie die Anschläge hautnah mitbekamen. Bei Gewitter ist es heute noch ganz schlimm. Sie weinen und haben Angst vor den Bomben. Die Kinder haben auch die deutsche Staatsangehörigkeit weil der Vater Deutscher ist.
Er versteckte seine Familie und packte ihre deutschen Pässe ein und floh nach Deutschland.
Die Ämter schlugen eine Türe nach der anderen zu. Zuerst eine Wohnung suchen, dann gibt es eine Arbeitsstelle. Denn wenn er eine Arbeitsstelle hat bekommt er auch eine Wohnung. Es war zum verrückt werden denn der arme Mann musste ja auch irgendwo übernachten. Ich bin so froh in Übach - Palenberg zu wohnen, denn es fanden sich immer wieder Gaststätten, Ferienwohnungen oder Campingplätze in der Umgebung die einen Platz anboten. Irgendwann nach langer Suche und endlosen Behördengängen traf ich eine ältere Dame die Zimmer vermietete. Durch eine Sammelaktion bekam ich das Geld für die Miete zusammen. Es war mittlerweile schon Herbst. Die Zeit lief uns davon. Der Krieg in seiner Heimat kam immer näher. Die Kinder mussten auch zur Schule. Seine Frau drehte schon fast durch. Auf umwegen und Helfershelfer kamen Telefonate zustande.
Es konnten endlich die Gelder beantragt werden, da er nun eine Meldeadresse hatte.
Die Familie nach Deutschland zu bekommen war der nächste Leidensweg. Holen sie doch ihre Kinder, die haben doch den deutschen Pass. Das stimmt aber was ist mit seiner Frau, die hat einen anderen Pass. Wieder von einer Stelle zur Nächsten. Irgendwann hatten wir einen ganz freundlichen Mitarbeiter der Stadt, der uns dieses Schreiben gab mit dem Hinweis: Dringlichkeitsantrag der Familienzusammenführung.
Wieder Sammelaktion gestartet um die Flüge zusammen zu bekommen. Es gibt so viele tolle Leute in der Welt die dieses ermöglichten.
Einen Tag vor Heiligabend ging abends um 18 Uhr mein Telefon: Ich bin mit meiner Frau und den Kindern im Zug nach Übach Palenberg.
Ich startete einen Rundruf um allen die frohe Botschaft mitzuteilen. Wir haben alle vor Freude geweint.
Die Familie ist heute gut untergebracht. Er ist ein fleißiger Mann mit einer festen Arbeitsstelle. Die Kinder gehen zur Schule und sprechen Deutsch als hätten sie nie etwas anderes gesprochen.