Geilenkirchener Zeitung

Aachener Zeitung 18.08.2016



Die Obdachlosenhilfe lebt von ihren Spenden
Von: Markus Bienwald

ÜBACH-PALENBERG. Uschi Hartmann ist ein Mensch, dem die Herzen zufliegen. Wer sie trifft,
der merkt schnell, dass sie aber nicht nur ein ausgesprochen höfliches und einnehmendes
Wesen hat. Die „Chefin“ hinter der Obdachlosenhilfe Übach-Palenberg weiß genau, dass
ihre durch und durch ehrenamtliche Hilfe auch einen Überzeugungstäter braucht, der
dahinter steht.
„Chefin“ ist wahrscheinlich so ein Wort, das sie zwar öfter hört, das sie aber nicht wirklich mag.
„Ich bin doch einfach nur die Uschi“, sagt sie gerne.
Die gelernte Hotelfachfrau hat früher einmal in Mönchengladbach im Bruno-Lelieveld-Haus
Menschen mindestens einmal im Monat mit einer warmen Mahlzeit versorgt. „Nicht so eine dünne
Plörre, sondern mit allem“, beschreibt Uschi sehr lebendig die mit Fleisch und Gemüse frisch
zubereiteten Köstlichkeiten. Schon damals war es aber mehr als nur die Idee, zu helfen, die sie
bewegte. „Menschenwürde ist ein großes Thema“, so Hartmann weiter, „denn nur, weil sie
obdachlos sind, bedeutet das nicht, dass diese Menschen weniger Wert sind, ganz im Gegenteil.“

So bittet sie darum, den Menschen auf der Straße auch mit Würde zu begegnen. Es gebe nichts
Schlimmeres, als wenn die Menschen wortlos an fragenden Obdachlosen oder Bettlern vorbeigehen,
das wissen die Helfer vom Verein ganz genau. „Geben Sie den Menschen eine Antwort, denn ein
höfliches Nein ist immer noch besser als das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden“, sagt Uschi
Hartmann. Leuten, die ihr mit dem Misstrauen begegnen, dass sie die Hilfe auch für sich alleine
macht, begegnet Hartmann übrigens mit einem entwaffnenden Lächeln und ein paar Worten. „Ich
mache es nicht für mich, sondern für die Obdachlosen und für die eigene Stadt“, sagt sie.
Denn auch in Übach-Palenberg und Umgebung gibt es Menschen ohne einen festen Wohnsitz, ohne
Obdach und in sozialen Schwierigkeiten. Dazu kommen Familien, die aus unterschiedlichen
Gründen am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig haben, und sich über jede Hilfe freuen.
„Es gibt da eine richtig hohe Dunkelziffer“, weiß Hartmann.
Und genau da setzt ihre ehrenamtliche Hilfe an. Denn der offiziell „Obdachlosenhilfe – Gemeinsam
für Menschen in Not“ genannte Verein ist nicht nur beim gemeinsamen Essen im
Mehrgenerationenhaus (MGH) am Palenberger Bahnhof gerne einmal der Gastgeber. Seit geraumer
Zeit hat der Verein, der übrigens als gemeinnützig anerkannt ist, ein eigenes Lager. „Das wurde
einfach nötig, denn alles zu Hause sammeln, das geht einfach nicht“, sagt Uschi Hartmann.
Sie spricht da aus Erfahrung, denn am Anfang lief noch die gesamte Hilfe nicht nur koordinatorisch
von ihrem Haus in Marienberg aus. Auch die Mahlzeiten wurden zubereitet, der Küchenbereich
glich manchmal einer Ausstellung für Haushaltsgeräte, um natürlich die Vorschriften in Sachen
Kühlkette und Hygiene einzuhalten, das sind Dinge, die waren für Hartmann von Beginn an
wichtig.
Das Lager auf dem früheren Schulgelände an der Schulstraße in Marienberg ist übrigens nicht nur
eine Anlaufstelle für alle, die etwas brauchen, was sie sich vielleicht sonst niemals leisten könnten:
Einen neuen Tisch zum Beispiel oder auch Futter für ihr Tier. „Tiere spielen bei unseren Leuten eine
ganz große Rolle“, sagt sie voller Respekt über die Klienten, die von der Hilfsorganisation versorgt
werden. „Denn Tiere sind meist die einzigen Partner im Leben unserer Menschen“, weiß Hartmann
zu berichten. Und da Uschi Hartmann keine eigenen Reichtümer angehäuft hat, die sie nun in die
Hilfe investieren kann, lebt die Hilfe im Verein von Spenden und den regelmäßig stattfindenden
Basaren.
Zu Weihnachten hatte sie beispielsweise ins MGH geladen, ein tolles Essen für die Menschen
inklusive. Eine Spende der Krombacher-Brauerei kam ihr kürzlich da sehr zupass, „so etwas ist ein
einfach toller, warmer Regen für unsere Arbeit“, sagt sie. 2500 Euro war der Scheck dick, doch für
dauerhafte Hilfe muss ständig auch was reinkommen. „Wir brauchen immer Spenden“, so
Hartmann, und dabei meint sie vielleicht gar nicht so die Leute mit den dicken Scheckbüchern.
„Denn wir bekommen oft auch kleinere Spenden, beispielsweise die Zutaten für ein leckeres
Abendessen für unsere Leute oder auch mal Süßigkeiten, die wir dann verteilen können“, berichtet
sie.
Und Freude huscht so immer wieder über ihr Gesicht, denn ob groß, ob klein, alle Spenden sind für
sie wichtig. Wer sich wie über 600 Follower via dem sozialen Netzwerk Facebook mit dem Verein
verknüpft, sieht wöchentlich, manchmal sogar täglich, wie Spenden hereinkommen, mit denen die
Hilfe zur Selbsthilfe über den Verein möglich gemacht wird.



„Wir müssen nur wissen, wo wir helfen können, dann sind wir dabei“, macht sie klar, und das meint
sie auch so. Egal, ob als Freiwillige bei der letzten Auflage der „Übach-Palenberger Familientage“
(ÜPF) oder beim Sommerfest der Karnevalsgesellschaft „Frelenberger Esel“: Der
Obdachlosenverein ist so selbstverständlich dabei, dass es schon fast normal ist.
Dabei ist die Hilfe nicht normal, gerade für Menschen ohne Lobby. „Obdachlose müssen sich Tag
für Tag viel anhören, die haben ein dickes Fell“, weiß Uschi Hartmann, die schon seit vielen Jahren
Menschen in Not hilft. Den Satz „die sollen doch froh sein, dass sie überhaupt was haben“, hat sie
im Zusammenhang mit ihrer Arbeit schon mehr als einmal zu oft hören müssen.
Und darum appelliert sie an die Menschen, die helfen und geben wollen, nicht irgendetwas zu
spenden, sondern das Ganze gezielt zu machen.
Was da meist nachgefragt wird, sind Gebisskleber als Nummer eins, generell Hygieneartikel und
alles, was man selbst auch in seinen eigenen vier Wänden benutzen würde, um sich gut zu fühlen.
Und wenn sie dann mit ihrem Bollerwagen loszieht, um Sachen zu sammeln, kann sie nun auch das
Schreiben vorzeigen, das ihr offiziell bestätigt, für die gute Sache unterwegs zu sein. „Ein tolles
Gefühl“, sagt sie.