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Meine Lehre

Mein Lehrbetrieb

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich kann da mitreden denn sie waren nicht leicht.
Zu der Verteidigung des Lehrbetriebes muss ich wirklich gestehen dass auch ich nicht leicht war. Ein kleiner Rebell. Aber ich zog nun mal den Kürzeren als Lehrling. Es war die klassische frühere Ausbildung. Auf dem Boden zu knien um den Boden des Lesezimmers zu schrubben. Der war aus Parkett. Viele kleine Stückchen die wir mit Holzwolle der Maserung nach "pflegen "durften. (Scheiß Job). Heute würde die Gewerkschaft oder Verdi wegen Kinderarbeit vor Gericht gehen.
Der absolute Clou waren die Schwimmbadfenster. Wir (die Zimmermädchen) durften den ganzen Vormittag das ganze Hallenbad schrubben bis zum Hochglanzeffekt, einschließlich Hallenbadfenster. Morgens die Umkleidekabinen, Sauna, Duschen und Toiletten. Zur Mittagszeit wenn die Mittagssonne in voller Höhe stand mussten wir die Fenster putzen. Draußen 30 Grad. Aber das war der Chefin egal. Sie bestand auf den Tagesablauf: Umkleidekabinen, Dusche, Toiletten, Sauna und dann erst die übergroßen Fenster. Saunaeffekt bekamen wir bei der Hitze umsonst......... endlich fertig......... nassgeschwitzt. Chefin kam rein, verzog das Gesicht, nahm sich einen Eimer füllte ihn mit dem Chlorwasser aus dem Hallenbad und schmiss den Inhalt mit voller Wucht gegen die Scheiben. Er war nicht Glasklar rein. Jetzt hatten wir noch eine halbe Stunde bis zur Mittagszeit um diese Malheur zu beseitigen. Denn nach Mittag gab es in der Küche kein Personalessen mehr. Aber das war ja nicht so dramatisch, denn wir konnten uns ja für 2 Mark an der Rezeption eine Tafel Schokolade kaufen. Wo war da die Gewerkschaft? Die musste ja erst noch gegründet werden. Pech gehabt.
Die Zeit in der Küche waren für mich die schönsten Monate. Ich wollte gerne eine Umschulung von Hotelfachfrau zur Köchin. Hatte aber Pech denn der Betrieb hatte das Pensum an Kochlehrlingen erreicht. Kochen war und ist bis heute meine Leidenschaft. Was ich an Rezepte auf der Homepage zeige ist das Resultat meiner Ausbildung. Ich habe sehr viel in der Küche gelernt.
Ich habe noch eine Ausbildung mitgemacht wie sie früher normal war. Sie hat mir nicht geschadet. Wir Lehrlinge (heute heißt es Azubi) hatten einen unglaublichen Zusammenhalt. Man hätte nicht ganz so dominant sein müssen aber was heute abgeht ist auch nicht ganz das Optimal. Die jungen Leute lernen sich durchzusetzen, die Klappe aufmachen wenn dir was nicht passt denn du hast ja die Gewerkschaft im Rücken. Toiletten putzen macht heute doch kein Auszubildender mehr. Schade denn das Resultat sehe ich in den Haushalten. Gehe lieber ins Gebüsch oder zum nächsten Mac Donalds und zahle einen Euro für die einmal Pipi machen.
Früher war nicht alles besser und das ist es heute auch nicht. Eine Mischung davon wäre sehr gut.
Ich habe von dieser Führungskraft viel gelernt. Auch von Fehlern lernt man.

Auch drei Jahre finden irgendwann ihr Ende. Ich danke Gott dafür. Der Lehrvertrag war März abgelaufen. Die praktische Prüfung hatte ich aber erst im Sommer. Ich bekomme heute noch Herzbubbern über meine eigene Geschichte. Nun denn hier ist sie:
Im dritten Lehrjahr braucht man nicht mehr Hallenbadfenster schrubben. Auch ihre privaten Schuhe auf Hochglanz bringen. (Da warst du dem blanken Wahnsinn ausgesetzt). Jeder der mich kennt weiß das Teamwork für mich wichtig ist. Ich hatte am letzten Tag (Ich wusste selber noch nichts davon) so richtig Stress hinter dem Buffet. An einem sonnigen Tag laufen so 20 bis 40 Kuchen und Torten. Sie werden alle frisch gebacken, war ja selber in der Patisserie. Der Kellner an meiner Theke sprühte die Sahne selber auf die Kuchenstücke. Chefin kam rein und sah das. Da nahm die die Kuchenschaufel schlug sie Richtung Torten (habe nachgezählt 13 Kuchen demoliert) und tobte das die Kellner keine Sahne sprühen dürfen. Könnten ja 50 Pfennige beschlagnahmen. Das war einer der Tage, da hast du einfach die Schnauze voll. (Wenn ich zu der Zeit schon den Verein gehabt hätte, wäre ich mit der Frau zur Strßtherapie gegangen.)
21Uhr Feierabend. Chefin schließt die Türe auf und sagt: Ursula bis morgen. Ich drehe mich um und sage: Mein Lehrvertrag ist heute zu Ende. Ich fahre morgen zu meinen Freund nach Holland. Entsetztes Gesicht: Deine praktische Prüfung? Ich sage ihr, dass ich zu dem Termin nach Villingen Schwenningen fahre und die Prüfung auch machen werde. Schwuppppsss und weg.
Zuhause großes Theater........... Jeder der Eltern hat kann das verstehen............ Habe ich heute vollstes Verständnis

Ich fuhr am nächsten Tag nach Holland. Zwei Wochen später hatte ich meinen Arbeitsvertrag vom Quellenhof in Aachen in der Tasche. Vier Wochen später Mietvertrag in der Junkerstraße 25 in Aachen. Juni fuhr ich nach Villingen und bestand meine praktische Prüfung. Heute geht mir der Arsch auf Grundeis wenn ich daran denke. In der Jugend ist man doch mutiger.
Das ist jetzt schon fast vierzig Jahre her. Ich möchte die drei Jahre nicht missen wollen in meinem Leben. Früher war die Ausbildungszeit kein Zuckerschlecken aber wir haben viel gelernt. Ich war vor Jahren mit meiner Familie auf dem Notschrei. Das Hotel ist modernisiert worden. Sauberkeit wird immer noch groß geschrieben. Auch die Speisekarte bietet für jeden Geschmack etwas. Die Zimmer sind alle auf dem neusten Stand. Man fühlt sich gleich sehr wohl. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Ein gepflegtes freundliches Hotel.